Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht 10 Januar 2026
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,
wir stehen heute hier in Luckau, an einem Ort, der untrennbar mit der Geschichte unserer Bewegung verbunden ist. Vor genau 107 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet. Doch ihr Geist, ihr Mut und ihre unerschütterliche Überzeugung leben weiter – gerade hier.
Luckau ist für uns mehr als eine Stadt in Brandenburg. Diese Mauern hier, das ehemalige Zuchthaus, in dem Karl Liebknecht während des Ersten Weltkriegs für seine Überzeugungen inhaftiert war, sind steinerne Zeugen seines Widerstands. Liebknecht saß hier ein, weil er das aussprach, was die Mächtigen fürchteten: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ Er verweigerte den Gehorsam gegenüber dem Militarismus und dem Nationalismus, während die Welt in Flammen aufging.
Heute, im Jahr 2026, blicken wir zurück, um die Kraft für den Blick nach vorn zu finden. Und dieser Blick muss uns heute mit großer Sorge erfüllen.
Wir erleben eine Zeit, in der die Schatten der Vergangenheit länger werden. Rechte Tendenzen sind nicht mehr nur ein Randphänomen; sie sitzen in den Parlamenten, sie vergiften den Diskurs in den sozialen Medien und sie greifen ganz konkret unsere Demokratie und unsere Mitmenschen an. Nationalismus und Militarismus – genau jene Geister, die Rosa und Karl bekämpften – feiern eine gefährliche Renaissance.
Wir sehen heute:
- Einen erstarkenden Nationalismus, der wieder Mauern in den Köpfen und an den Grenzen errichten will.
- Einen neuen Militarismus, der Aufrüstung als alternativlos verkauft und Diplomatie als Schwäche diffamiert.
- Und eine Ideologie der Ungleichwertigkeit, die Menschen ausgrenzt, hetzt und hasst.
Rosa Luxemburg sagte einst: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Dieser Satz ist kein bloßes Zitat für Poesiealben. Er ist eine Mahnung an uns alle! Wenn heute Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer Meinung ausgegrenzt werden, dann ist das ein Angriff auf die Freiheit von uns allen.
Rechte Ideologien sind kein Rezept für die Probleme unserer Zeit. Sie sind Gift für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wer Hass sät, wird Gewalt ernten. Wir lassen nicht zu, dass die Errungenschaften der Arbeiterbewegung, die Rechte der Minderheiten und der Traum von einer gerechten Welt von den Ewiggestrigen zertrampelt werden!
Liebe Genossen, wir müssen laut sein!
Unsere Antwort auf den Hass ist Solidarität.
Unsere Antwort auf den Militarismus ist ein konsequentes „Nein!“ zu Krieg und Aufrüstung.
Unsere Antwort auf den Nationalismus ist die internationale Zusammenarbeit und das Wissen, dass wir die großen Krisen unserer Zeit – vom Klimawandel bis zur sozialen Ungerechtigkeit – nur gemeinsam lösen können.
Lasst uns aus dieser Versammlung Mut schöpfen. Karl Liebknecht hat hier in Luckau nicht aufgegeben, selbst hinter Gittern nicht. Er blieb standhaft. Das ist unser Auftrag für 2026: Standhaft bleiben gegen den rechten Strom.
Wir weichen keinen Millimeter zurück vor Ausgrenzung und Hass. Wir verteidigen eine Gesellschaft, in der jeder Mensch ohne Angst verschieden sein kann.
Rosa und Karl sind tot, aber ihre Ideen sind unsterblich.
Hoch die internationale Solidarität!


