90 JAHRE INTERNATIONALE BRIGADEN

Erinnern. Verstehen. Haltung zeigen.

1936–2026

Vor 90 Jahren schlossen sich Menschen aus mehr als 50 Ländern den Internationalen Brigaden an. Sie kamen nach Spanien, um die Spanische Republik im Spanischen Bürgerkrieg gegen den Militärputsch unter General Francisco Franco und dessen deutsche und italienische Unterstützer zu verteidigen.

Zwischen 1936 und 1939 beteiligten sich rund 35.000 bis 40.000 internationale Freiwillige am Kampf auf Seiten der Spanischen Republik. Unter ihnen waren Arbeiterinnen und Arbeiter, politisch Verfolgte, Intellektuelle, Schriftstellerinnen und Schriftsteller – aber auch zahlreiche Menschen, deren Namen heute kaum noch bekannt sind.

Viele der Freiwilligen wurden getötet oder verwundet. Andere gerieten nach ihrer Rückkehr in die Verfolgung durch den Nationalsozialismus, wurden interniert, in Konzentrationslager verschleppt oder ermordet.

Anlässlich des 90. Jahrestages fanden am 18. und 19. September 2026 in Zeuthen zwei Veranstaltungen statt, die sich mit der Geschichte der Internationalen Brigaden, dem persönlichen Erinnern und der Bedeutung dieser Geschichte für die Gegenwart beschäftigten.

 

Warum heute erinnern?

Der Spanische Bürgerkrieg gehört zu den prägenden Konflikten der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er steht im Zusammenhang mit dem Aufstieg autoritärer und faschistischer Bewegungen, mit politischer Verfolgung und Flucht, aber auch mit internationaler Solidarität und dem Engagement von Menschen, die sich für die Spanische Republik einsetzten.

Gerade deshalb ist die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte auch 90 Jahre später wichtig. Erinnerung bedeutet nicht nur, zurückzublicken. Sie bedeutet auch, historische Zusammenhänge zu verstehen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und daraus Fragen für die Gegenwart abzuleiten.

 

Historischer Austausch im Bürgerhaus Zeuthen

Am Freitag, dem 18. September 2026, fand im Bürgerhaus Zeuthen ein geschichtshistorischer Austausch statt.

Gemeinsam mit Dr. Friedman von der Historischen Kommission der Partei Die Linke, Christian Stolzenburg, der über seinen Vater und Spanienkämpfer Freimut Stolzenburg berichtete, sowie unserem Gast aus Spanien, Adolfo Barrena Salces von der Fundación 14 de Abril aus Zaragoza, wurden unterschiedliche Zugänge zur Geschichte der Internationalen Brigaden vorgestellt.

Dabei ging es nicht nur um historische Fakten, sondern auch um persönliche Erinnerungen, familiäre Überlieferungen und die Frage, wie Geschichte über Generationen weitergegeben wird. Zugleich wurden historische Mythen und nachträgliche Vereinfachungen kritisch hinterfragt.

Die Fundación 14 de Abril beschäftigt sich unter anderem mit historischer und demokratischer Erinnerung und der Aufarbeitung der Geschichte des Franquismus. Adolfo Barrena Salces ist dort als Direktor tätig.

IMG_3816-976x549Im Mittelpunkt stand schließlich die Frage: Was können wir aus der Geschichte für unsere Gegenwart und Zukunft lernen?

Gedenken am Spanienkämpfer-Denkmal

Am Samstag, dem 19. September 2026, fand am Spanienkämpfer-Denkmal auf dem Platz der Demokratie in Zeuthen der Höhepunkt der Veranstaltungen statt.

Unter dem Motto „Erinnern. Verstehen. Haltung zeigen“ wurde an die Menschen erinnert, die sich vor 90 Jahren den Internationalen Brigaden anschlossen und für die Spanische Republik kämpften.

Brita Haarfeld, Vorsitzende der Fraktion Die Linke Zeuthen, begrüßte bei bestem Wetter die zahlreichen Gäste. Philipp Martens, Bürgermeister von Zeuthen, eröffnete die Veranstaltung.

Lothar Priewe, Mitglied des Landesvorstandes der VVN-BdA Brandenburg, stellte Bezüge zu aktuellen politischen Entwicklungen her. Christian Stolzenburg gab anhand von Dokumenten und Erinnerungsstücken aus dem Nachlass seines Vaters einen sehr persönlichen Einblick in die Geschichte von Freimut Stolzenburg.

Mit Adolfo Barrena Salces von der Fundación 14 de Abril aus Zaragoza kam zudem eine spanische Perspektive zu Wort. Er berichtete darüber, dass auch in Spanien die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte des Bürgerkriegs und des Franquismus weiterhin eine wichtige Aufgabe der demokratischen Erinnerungskultur ist.

Auch Sven Herzberger, Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald, nahm gemeinsam mit einer Delegation aus Französisch-Katalonien an der Veranstaltung teil und unterstrich die Bedeutung historischer Erfahrungen und ihrer Lehren für die Gegenwart.

Weitere Beiträge kamen von Harald Wittstock, Vorsitzender der Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 e. V. und Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg der Partei Die Linke, Katharina Slanina, Vorsitzende des Landesverbandes Die Linke Brandenburg, sowie Dr. Martin Müller von der VVN-BdA Dahme-Spreewald.

Sie würdigten die vielen Freiwilligen, die sich den Internationalen Brigaden anschlossen – darunter bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Intellektuelle und politische Aktivistinnen und Aktivisten ebenso wie die vielen Menschen, deren Namen heute kaum noch bekannt sind.

 

Eine Geschichte, die nicht vergessen werden darf

Der 90. Jahrestag der Internationalen Brigaden bietet Anlass, eine wichtige Facette der europäischen Geschichte erneut in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Die Geschichte der Internationalen Brigaden ist dabei komplex. Die Freiwilligen kamen aus unterschiedlichen Ländern, sozialen Verhältnissen und politischen Traditionen. Gemeinsam

war ihnen die Entscheidung, sich in einen internationalen Konflikt einzumischen und die Spanische Republik zu unterstützen.

Für Menschen aus Deutschland hatte diese Entscheidung eine besondere Bedeutung. Der Nationalsozialismus hatte 1933 die politische Macht übernommen. Deutschland und das faschistische Italien unterstützten die Truppen Francos. Der Spanische Bürgerkrieg wurde damit auch zu einem internationalen Konflikt, in dem unterschiedliche politische und gesellschaftliche Kräfte aufeinandertrafen.

Viele deutsche Spanienkämpferinnen und Spanienkämpfer wurden nach ihrer Rückkehr erneut verfolgt. Für einige bedeutete der Kampf in Spanien den Beginn weiterer Jahre von Flucht, Internierung und Gefangenschaft.

Umso wichtiger ist es, diese Biografien sichtbar zu machen und auch jene Menschen zu würdigen, die in den großen historischen Erzählungen häufig namenlos bleiben.

 

Geschichte für heute und morgen

Erinnerungskultur darf nicht bei Gedenkveranstaltungen stehen bleiben. Sie muss auch danach fragen, welche Bedeutung historische Erfahrungen für eine demokratische Gesellschaft haben.

Gerade für junge Menschen ist es wichtig, die Geschichte des Nationalsozialismus, des Faschismus in Europa und des Spanischen Bürgerkriegs in ihren Zusammenhängen kennenzulernen. Ebenso wichtig ist es, historische Entwicklungen nicht nachträglich zu vereinfachen, sondern ihre Widersprüche und unterschiedlichen Perspektiven sichtbar zu machen.

Die Veranstaltungen in Zeuthen wollten deshalb nicht nur zurückblicken. Sie wollten dazu beitragen, Geschichte verständlich zu machen und das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung demokratischer und antifaschistischer Erinnerung zu stärken.

 

Musik verbindet Erinnerung

Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung würdig umrahmt von Elke Bitterhof und ihrer Begleitung sowie David Bergermann und seiner Bläsergruppe. Ihr Beitrag gab der Veranstaltung einen besonderen Rahmen und verband die historische Erinnerung mit einem Moment gemeinsamer Begegnung.

90 Jahre Internationale Brigaden – 90 Jahre Erinnerung

Die beiden Veranstaltungen in Zeuthen haben gezeigt, wie lebendig historische Erinnerung sein kann, wenn unterschiedliche Generationen und Perspektiven zusammenkommen: persönliche Familiengeschichten, wissenschaftliche Auseinandersetzung, politische Erinnerungskultur und die Perspektive unserer spanischen Gäste.

90 Jahre nach dem Beginn des Spanischen Bürgerkriegs bleibt die Erinnerung an die Internationalen Brigaden deshalb eine Aufgabe.

Für die Menschen, die damals ihre Heimat verließen.

Für diejenigen, die ihr Leben verloren.

Für diejenigen, die nach ihrer Rückkehr verfolgt wurden.

Und für kommende Generationen, die aus dieser Geschichte lernen sollen.

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